Warum Sie Ihre Erwartungen bewusst kommunizieren sollten

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„Übermäßige Erwartungen bringen immer Probleme mit sich.“ – Dalai Lama

Ständig begleiten sie uns – unsere Erwartungen. Erwartungen an uns selbst, an die Familie, den Partner oder die Partnerin, Freunde, Arbeitskollegen/innen, Mitarbeitende, den Chef oder die Chefin, selbst an die Verkäuferin im Modeladen. Egal, in welcher sozialen Situation wir uns befinden, wir erwarten etwas von unserem Gegenüber. Wenn Sie sich das einmal vor Augen führen, kommt da einiges zusammen.

Das Problem an oder mit unseren Erwartungen

Werden unsere Erwartungen erfüllt, macht uns das meist zufrieden und stimmt uns positiv, werden sie jedoch nicht erfüllt, können Probleme entstehen. Unerfüllte Erwartungen bringen Emotionen wie Enttäuschung, Frustration oder gar Ärger mit sich. All diese negativen Gefühle kosten uns sehr viel Energie und können die interpersonelle Beziehung stark beeinträchtigen oder gar zerstören – sehr schade und anstrengend noch dazu.

Unsere kleine Welt der Erwartungen

„Das hätte er oder sie doch merken oder wissen müssen!“ Solch einen oder ähnlichen Gedanken kennen Sie bestimmt. Meist ist dieser das Resultat einer enttäuschten Erwartung und bringt nicht unbedingt ein Gefühl der Zufriedenheit mit sich. Schlimmer noch, als Nährboden der schlechten Stimmung liefert solch ein Gedanke genügend Potenzial, um die Beziehung zu unserem Gegenüber stark zu schädigen. Vielleicht nicht sofort, unterschwellig brodelt jedoch der Unmut darüber, dass unser Gegenüber nicht oder in unseren Augen falsch auf unsere Bedürfnisse eingegangen ist. Damit ist die perfekte Grundlage für einen Konflikt geschaffen. Natürlich ist daran unserer Gegenüber Schuld, denn er hat uns schließlich nicht verstanden. Hat er auch nicht! Aber konnte er das überhaupt? Haben wir klar und deutlich gesagt, was wir von ihm oder ihr erwarten?

Hier gibt es einen so wichtigen und entscheidenden Unterschied zwischen „deutlich gesagt“ und „deutlich gemacht“! Wir machen nämlich so einiges, was für uns selbst deutlich scheint – aber häufig eben bloß für uns selbst:

Der eine seufzt laut, um seinen Stress zu signalisieren. Der andere zieht sich vielleicht zurück und will damit zeigen, dass ihm alles zu viel wird. Dies sind unterschiedliche Reaktionen auf und Signale von Stress. Beide erwarten in dieser Situation Unterstützung von ihrem Gegenüber. Dazu kommt auch noch, dass die Interpretation dieser unterschiedlichen Verhaltensweisen im Auge des Betrachters liegt. Ihr Gegenüber erwartet wohlmöglich, dass es um Unterstützung gebeten wird. Erfolgt dies nicht, sieht es keinen Handlungsbedarf. Der Kreislauf der miss- oder erst gar nicht verstandenen Erwartungen und Enttäuschungen beginnt …

Wer nicht spricht, kann nicht gehört werden

Ich denke, dass viele – viel zu viele – Konflikte dadurch entstehen, dass wir etwas von jemandem erwarten, ohne unsere Erwartungen überhaupt klar zu benennen. Damit meine ich, zu sagen was wir wollen, was wir brauchen, eben was wir von unserem Gegenüber erwarten.

Leider kommt es häufig vor, dass wir unsere Erwartungen nicht klar oder nicht klar genug kommunizieren. Der Gedanke „der andere muss doch merken, was ich brauche oder wie es mir geht“ funktioniert bedauerlicherweise nicht wirklich gut. Auch wenn wir unklare Aussagen wie beispielsweise ein genervtes „jaja, geht schon“ äußern, müssen wir damit rechnen, dass unser Gegenüber uns beim Wort nimmt. Was bleibt ihm auch anderes übrig? In unseren Kopf gucken und unsere Erwartungen sehen kann er nicht! Dementsprechend kann er sich nur auf unsere Aussagen  verlassen.

Nur das Gesagte kann auch verstanden werden

Damit unser Gegenüber unseren Erwartungen gerecht werden kann oder es zumindest versuchen kann, muss es von uns wissen, was wir von ihm erwarten. Das heißt, wir sollten uns des Öfteren einmal fragen, ob wir unsere Erwartungen klar ausgesprochen und nicht nur mit Gesten, Verhaltensweisen oder unklaren Aussagen angedeutet haben. So könnten wir uns ein paar Enttäuschungen, vorwurfsvolle Gedanken, Missverständnisse und Konflikte sparen.

„Es wird immer gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht.“ – Hermann Hesse

Wie wichtig und teilweise auch schwierig eine klare Kommunikation für das Miteinander ist, zeigt sich für mich nicht nur in alltäglichen Situationen, sondern wird auch in der Beraterpraxis deutlich. Nicht umsonst stellt das so einfach klingende Thema „Kommunikation“ einen der Schwerpunkte z. B. in unseren Seminaren zu Konfliktmanagement oder erfolgreicher Gesprächsführung dar. Die richtige Kommunikation schafft den Grundstein einer guten sozialen Beziehung im privaten wie auch im beruflichen Kontext – also lassen Sie uns mehr kommunizieren und weniger andeuten!


Diesen Beitrag hat Jessica Drescher während ihres Praktikums bei grow.up. verfasst.

Über den Autor

Jessica Drescher

Jessica Drescher ist Psychologin (M.Sc.) und Junior-Beraterin. Seit Anfang 2016 ist sie bei der grow.up. Managementberatung beschäftigt. Ihr Werdegang hat sie über die Ausbildung als Gestaltungstechnische Assistentin hin zum Psychologie-Studium geführt. Unter dem Dach der Arbeits- und Organisationspychologie liegt ihr Schwerpunkt dabei im Bereich der Personalpsychologie mit Integration gesundheitspsychologischer Aspekte.

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